Die Frage, ob eine Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus oder einem Einfamilienhaus wirtschaftlicher ist, beschäftigt viele Immobilienbesitzer in der Schweiz. In diesem Vergleich analysieren wir die Kostenstrukturen beider Gebäudetypen, beleuchten die Skaleneffekte bei grösseren Anlagen und erklären die besonderen Abrechnungsmodelle für MFH-Solaranlagen.
Grundlegende Kostenunterschiede
Die zentrale Erkenntnis vorweg: Der Preis pro kWp sinkt mit zunehmender Anlagengrösse. Da MFH-Anlagen typischerweise grösser sind (15–50 kWp) als EFH-Anlagen (6–12 kWp), profitieren sie von geringeren Fixkosten pro kWp. Planung, Gerüst, Netzanschluss und administrative Aufwendungen verteilen sich auf mehr installierte Leistung, was den kWp-Preis drückt.
| Kennzahl | EFH (10 kWp) | MFH (30 kWp) | Vorteil |
|---|---|---|---|
| Brutto-Preis/kWp | CHF 2'100 | CHF 1'750 | MFH: -17% |
| Netto-Preis/kWp | CHF 1'650 | CHF 1'400 | MFH: -15% |
| Gerüst pro kWp | CHF 210 | CHF 130 | MFH: -38% |
| Planung pro kWp | CHF 120 | CHF 60 | MFH: -50% |
| Eigenverbrauch ohne Speicher | 25–35% | 40–60% | MFH: höher |
Skaleneffekte bei MFH-Anlagen
Die Skaleneffekte bei MFH-Anlagen sind erheblich und betreffen mehrere Kostenpositionen. Die Fixkosten für Planung und Baueingabe sind nahezu identisch, egal ob 10 oder 30 kWp installiert werden. Das Gerüst muss ohnehin aufgebaut werden und kostet bei einem MFH nur unwesentlich mehr als bei einem EFH. Die Materialbestellung profitiert von Mengenrabatten: 75 Module kosten pro Stück weniger als 25 Module.
Auch die Installationseffizienz steigt: Das Montageteam kann bei einer grösseren Anlage länger am Stück arbeiten, ohne die Rüstzeit neu zu investieren. Die Elektroinstallation ist zwar umfangreicher, aber pro kWp effizienter, da viele Arbeitsschritte (Zählerschrank, Erdung, Netzanschluss) nur einmal anfallen.
Eigenverbrauch: Der entscheidende Unterschied
Der grösste Vorteil einer MFH-Solaranlage liegt im höheren Eigenverbrauchsanteil. Während ein Einpersonenhaushalt im EFH tagsüber oft wenig Strom verbraucht, sorgen in einem MFH mit 4–8 Wohneinheiten unterschiedliche Tagesrhythmen für eine gleichmässigere Lastverteilung. Dadurch wird mehr Solarstrom direkt genutzt, und der Eigenverbrauch steigt ohne Speicher auf 40–60%.
Voraussetzung dafür ist ein Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV), der seit 2018 in der Schweiz gesetzlich geregelt ist. Im ZEV wird der Solarstrom intern unter den Mietparteien verteilt und zum Stromtarif (oder einem vergünstigten Satz) abgerechnet. Der Eigentümer profitiert von höheren Einnahmen als bei der Netzeinspeisung, und die Mieter von günstigerem Solarstrom.
Wirtschaftlichkeitsvergleich
Vergleicht man eine 10-kWp-EFH-Anlage mit einer 30-kWp-MFH-Anlage, zeigt sich der wirtschaftliche Vorteil der grösseren Anlage deutlich. Die EFH-Anlage kostet netto CHF 16'500 und erzielt eine jährliche Ersparnis von CHF 1'300, was eine Amortisation in 12.7 Jahren ergibt. Die MFH-Anlage kostet netto CHF 42'000 und erzielt dank höherem Eigenverbrauch eine jährliche Ersparnis von CHF 4'800, was eine Amortisation in 8.8 Jahren ergibt.
Der ROI über 25 Jahre ist bei der MFH-Anlage mit rund 185% deutlich höher als bei der EFH-Anlage mit rund 120%. Dies liegt sowohl am tieferen kWp-Preis als auch am höheren Eigenverbrauchsanteil. Für MFH-Eigentümer, die bereit sind, einen ZEV einzurichten, ist die Solaranlage daher eine besonders attraktive Investition.
Herausforderungen bei MFH-Anlagen
MFH-Solaranlagen bringen allerdings auch zusätzliche Komplexität mit sich. Die Einrichtung eines ZEV erfordert individuelle Verträge mit den Mietparteien, die Installation separater Zähler und ein Abrechnungssystem für den Solarstrom. Die Verwaltungskosten für die Abrechnung liegen bei CHF 200–500 pro Jahr, wobei spezialisierte Dienstleister wie Smart Energy Link oder Ormera die Abrechnung automatisieren können.
Zudem müssen bei MFH-Anlagen die Interessen verschiedener Parteien berücksichtigt werden. Die Investitionsentscheidung liegt beim Eigentümer, aber die Mieter müssen dem ZEV beitreten. Auch Stockwerkeigentümergemeinschaften müssen einen Mehrheitsbeschluss fassen, was den Entscheidungsprozess verlängern kann.
Fazit: MFH bietet tiefere kWp-Preise und höheren ROI
Zusammenfassend bieten MFH-Anlagen klare wirtschaftliche Vorteile gegenüber EFH-Anlagen: tiefere kWp-Preise dank Skaleneffekten, höheren Eigenverbrauch dank diversifizierter Lastprofile und bessere Amortisation und ROI. Die zusätzliche Komplexität der ZEV-Einrichtung und -Abrechnung ist überschaubar und wird durch spezialisierte Dienstleister erleichtert. Für MFH-Eigentümer ist eine Solaranlage eine der rentabelsten Investitionen in ihre Liegenschaft.
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